Pflegefinanzierung

Vorgaben. Eigenanteile. Versicherung.

Pflegefinanzierung

Wer nicht rechtzeitig vorsorgt, weiß womöglich nicht, wie er die Pflege finanzieren soll. Wir haben die besten Möglichkeiten zur Pflegefinanzierung zusammengestellt.

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    Herz, Tipps für Senioren

    Denken Sie schon heute daran, morgen ein gutes Leben zu führen. Wer sich rechtzeitig um nötige Versicherungen kümmert, kann seinen Lebensabend sorgenfreier verbringen.

    Das bieten die Pflegeversicherungen zur Pflegefinanzierung

    Um die Versorgungslücke der gesetzlichen Pflegeversicherung zu schließen, gibt es drei Möglichkeiten:

    1. die Pflegegeldversicherung
    2. die Pflegekostenversicherung
    3. die Pflegerentenversicherung

    Bei allen drei Versicherungsformen hängt die Höhe der Prämie maßgeblich vom Alter und vom Gesundheitszustand bei Versicherungsabschluss ab. Es lohnt sich also, diese Versicherungen frühzeitig abzuschließen, noch bevor der Pflegefall absehbar ist.

     So funktioniert die Pflegetagegeldversicherung

    Die Pflegetagegeldversicherung bietet Tagessätze zwischen

    10 – 100 €

    Der angebotene Tagessatz wird mit 30 multipliziert und dann monatlich in einer Summe ausgezahlt. Im Gegensatz zu den Pauschalbeträgen der gesetzlichen Pflegeversicherung, erhalten Sie also für jeden Tag Ihrer Pflegebedürftigkeit finanzielle Leistungen. Dabei haben Sie das Geld zur freien Verfügung – Sie müssen es nicht zwingend für die Pflegekosten ausgeben.

    Der angebotene Tagessatz wird mit 30 multipliziert und dann monatlich in einer Summe ausgezahlt. Im Gegensatz zu den Pauschalbeträgen der gesetzlichen Pflegeversicherung, erhalten Sie also für jeden Tag Ihrer Pflegebedürftigkeit finanzielle Leistungen. Dabei haben Sie das Geld zur freien Verfügung – Sie müssen es nicht zwingend für die Pflegekosten ausgeben.

    Die Höhe des Tagessatzes hängt nicht nur von den Konditionen ab, sondern auch von der Höhe Ihres Pflegegrades. Außerdem unterscheidet man starre und flexible Tarife. Bei starren Tarifen orientieren sich die Tagessätze, je nach Pflegegrad, prozentual am Höchstbetrag für Pflegegrad 5. Bei einem flexiblen Tarif können Sie hingegen den Betrag für jeden Pflegegrad selbst festlegen. Dabei darf der Betrag für einen höheren Pflegegrad nicht niedriger sein als für geringe Pflegegrade. Wer bereit ist, höhere Prämien zu zahlen, kann auch für jeden Pflegegrad den Höchstbetrag wählen.

    Entscheiden Sie sich für eine Pflegetagegeldversicherung, dann achten Sie darauf, dass Sie keine Versicherungsbeiträge mehr zahlen müssen, sobald Sie pflegebedürftig sind. Auch sollten Sie einen Vertrag wählen, der die Leistung unabhängig von der Pflegeform garantiert.

    Manche Verträge enthalten Klauseln, die eine Fortzahlung der Beiträge vorsehen und die Leistungen an eine stationäre Pflege knüpfen.

    Mit der Pflegekostenversicherung Erstattungen sichern

    Im Gegensatz zum Pflegetagegeld sind die Leistungen aus der Pflegekostenversicherung zweckgebunden und sollen damit die Pflegekosten finanzieren, die von der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht abgedeckt werden.

    Um Pflegekosten geltend zu machen, müssen Sie zunächst in Vorleistung gehen und alle Belege zur Erstattung einreichen. Je nach Vertragskonditionen erhalten Sie entweder eine prozentuale Erstattung oder die Pflegekosten werden bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag ersetzt.

    Für Vorausschauende: die Pflegerentenversicherung

    Eine Pflegerentenversicherung lohnt sich vor allem, wenn sie schon in jungen Jahren abgeschlossen wurde. Hierbei handelt es sich um eine kapitalbildende Versicherung. Versicherte sparen Kapital an, aus dem im Leistungsfall die Pflegerente entrichtet wird.

    Die Auszahlungen erfolgen entweder monatlich oder einmalig. Dabei ist der Betrag, den Sie erhalten, prozentual gestaffelt und die Höhe richtet sich nach dem entsprechenden Pflegegrad.

    Jede Versicherung garantiert einen monatlichen Mindestbetrag, der an die Versicherten ausgezahlt wird. Allerdings sind Überschusszahlungen möglich, wenn die Versicherungsgesellschaft das Kapital gewinnbringend anlegen konnte.

    Pflege-Bahr: Absicherung für Sparfüchse

    Unter bestimmten Voraussetzungen bezuschusst der Gesetzgeber die private Pflegevorsorge mit einem Bonus von 60 Euro jährlich. Dieser Bonus ist auch als Pflege-Bahr bekannt, benannt nach dem damaligen Gesundheitsminister.

    Allerdings werden nicht alle privaten Pflegezusatzversicherungen bezuschusst. Folgende Aspekte muss der Versicherungsvertrag gemäß dem Pflege-Bahr berücksichtigen:           

    1. Im Pflegefall muss der oder die Versicherte einen fest vereinbarten Geldbetrag für jeden Tag der Pflegebedürftigkeit erhalten, der in einer monatlich ausgezahlten Summe überwiesen wird. Es sind also nur Pflegetagegeld- oder Pflegerentenversicherungen förderfähig.
    2. Der Versicherungsvertrag darf keine Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse aufgrund von Vorerkrankungen enthalten. Lediglich die Konditionen und das Eintrittsalter dürfen sich in der Versicherungsprämie niederschlagen.
    3. Je Pflegegrad müssen individuelle Leistungen festgelegt sein.
    4. Für jeden Pflegegrad sind Mindestbeträge festgeschrieben. Für Pflegegrad 1 müssen mindestens 60 Euro, für Pflegegrad 5 minimal 600 Euro ausgezahlt werden. Dabei dürfen die Leistungen je Pflegegrad die Höhe der gesetzlichen Leistungen nicht übersteigen.
    5. Die Versicherungsprämie muss mindestens 10 Euro monatlich/120 Euro jährlich betragen.
    6. Für den Abschluss des Versicherungsvertrages dürfen maximal zwei Monatsprämien fällig werden. Gleichzeitig dürfen die Verwaltungskosten 10% der Bruttoprämie nicht übersteigen.
    7. Tritt der Pflegefall ein, darf die Wartezeit bis Leistungsbeginn maximal fünf Jahre betragen.
    8. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Personen, die bereits Pflegeleistungen beziehen, sind von der Förderung ausgeschlossen.
    9. Im Versicherungsvertrag muss eine Klausel enthalten sein, die es Versicherten ermöglicht, den Vertrag bei finanzieller Hilfsbedürftigkeit drei Jahre lang ruhen und beitragsfrei stellen zu lassen.
    10. Ebenso muss eine Kündigung des Versicherungsvertrages aufgrund finanzieller Hilfsbedürftigkeit möglich sein.

    Die Regelungen des Pflege-Bahrs stellen sicher, dass auch Vorerkrankte und Personen mit geringem Einkommen ihre Pflege finanzieren können. 

    Herz, Tipps für Senioren

    Lassen Sie sich nicht übers Ohr hauen! Auch durch den Pflege-Bahr geförderte Versicherungen unterscheiden sich teils erheblich in ihren Leistungen. Ein Vergleich der Verträge ist also unerlässlich. Außerdem steigen ab dem 60. Geburtstag die Versicherungsprämien stark – schließen Sie die Versicherung also, wenn möglich, eher ab!

    Findige Schnäppchenjäger nutzen die online verfügbaren Pflege-Bahr-Rechner, um sich die besten Versicherungsverträge auf einen Blick servieren zu lassen.

    Pflege aus dem eigenen Vermögen finanzieren

    5.000 – 10.000 €

    so viel steht Alleinstehenden bzw. Ehepaaren als bares Schonvermögen zu.

    Durchschnittlich beträgt der Eigenanteil – nach Abzug der gesetzlichen Pflegeleistungen – für professionelle Pflege bundesweit zwischen 1.800 bis 2.000 Euro. Nur selten reicht die Rente aus, um diese Summe jeden Monat stemmen zu können. Ist das Einkommen zu knapp, müssen Pflegebedürftige auf das eigene Vermögen zurückgreifen. Mögliche Vermögenswerte, die hierfür aufgelöst werden müssen, sind:

    • Erspartes
    • Immobilien
    • Erbsummen für die eigenen Kinder
    • Aktien/Depots
    • Kunstgegenstände bzw. Sammlerstücke

    Es lohnt sich also, rechtzeitig an die eigene Pflege zu denken und Geld gewinnbringend anzulegen. Andernfalls, wenn die Vermögenswerte nicht ausreichen, müssen Pflegebedürftige die Hilfe zur Pflege beim Sozialamt beantragen. Nehmen Betroffene diese Sozialleistung in Anspruch, stehen ihnen 5.000 Euro (Alleinstehende) bzw. 10.000 Euro (Ehepaare) als Schonvermögen zu, das nicht für die Pflegefinanzierung herangezogen wird.

    Denken Sie auch an Ihr Vergnügen! Planen Sie bei der Finanzierung der Pflege nicht nur die Sachkosten ein, sondern auch einen monatlichen Betrag, den Sie allein für sich und Ihre Freizeitaktivitäten, schicke Klamotten oder kleine Geschenke ausgeben können.

    Herz, Tipps für Senioren

    Wenn Sie Hilfe zur Pflege erhalten und während dessen Erwerbseinkommen haben, dürfen Sie außerdem eine Summe von bis zu 25.000 Euro zur Lebensführung und Altersabsicherung als Freibetrag geltend machen.

    Pflegebedürftige in stationärer Pflege müssen ihr gesamtes Einkommen für die Pflegekosten ausgeben, wenn Sie Hilfe zur Pflege beziehen. Lediglich ein Taschengeld in Höhe von 120,42 Euro verbleibt zur freien Verfügung.

    Information

    In vielen Fällen fordert das Sozialamt Bezieher und Bezieherinnen von Hilfe zur Pflege dazu auf, Sterbegeldversicherung aufzulösen, um die Pflege zu finanzieren. Etliche Gerichtsurteile der letzten Jahre haben allerdings festgehalten, dass zweckgebundene Sterbegeldversicherungen, die für die Bestattungskosten abgeschlossen wurden, nicht für die Hilfe zur Pflege herangezogen werden dürfen. Darüber informiert unter anderem der DGB Rechtschutz.

    Für die Pflegefinanzierung das Eigenheim verkaufen

    Ob Pflegebedürftige Ihr Haus verkaufen müssen, um die eigene Pflege zu finanzieren, hängt von verschiedenen Umständen ab.

    Generell muss das Eigenheim erst dann zur Finanzierung der Pflege herangezogen werden, wenn das Einkommen und sonstige Vermögenswerte nicht ausreichen, um den Eigenanteil zur Pflege zu stemmen. Oft wird das Thema erst dann akut, wenn Betroffene Hilfe zur Pflege beziehen und das Sozialamt die Vermögenswerte überprüft.

    Findet die Pflege ambulant zuhause statt oder verbleibt der Ehepartner/die Ehepartnerin im eigenen Heim, wird die Angemessenheit der Immobilie überprüft. Hierbei zieht das Sozialamt folgende Kriterien zurate:

    Bewohnt mindestens der Ehepartner/die Ehepartnerin weiterhin das Eigenheim oder erfolgt die Pflege ambulant zuhause, gilt das Eigenheim als Schonvermögen, solange es eine angemessene Größe hat.

    • Wie viele Personen leben in dem Haus?
    • Welcher Wohnbedarf besteht?
    • Wie viel Wohnfläche/Zimmer besitzt die Immobilie?
    • Wie ist der Zuschnitt?
    • Wie hochwertig ist die Ausstattung?
    • Welchen Wert haben Grundstück und Immobilie?

    In den meisten Fällen gilt das durchschnittliche Einfamilienhaus als angemessen und verbleibt als Schonvermögen. Anders ist das jedoch, wenn die Immobilie durch die pflegebedürftige Person bzw. den Partner/die Partnerin nicht mehr genutzt wird. Vermietete Immobilien müssen in der Regel zur Finanzierung der Pflege verkauft werden, wenn das Einkommen nicht reicht. 

    Dieses Schicksal kann auch Kinder ereilen, die statt ihrer Eltern in ihrem Elternhaus wohnen. Wird ein Elternteil pflegebedürftig und reicht das Einkommen nicht zur Pflegefinanzierung, fordert das Sozialamt die Kinder zum Verkauf der Immobilie auf. Diese müssen dann glaubhaft darlegen, dass der Verkauf ihren eigenen Lebensunterhalt erheblich gefährden würde, um das Haus zu behalten.

    Stichwort Elternunterhalt zur Finanzierung der Pflege

    100.000 € jährlich

    …das ist der Brutto-Freibetrag für Angehörige 1. Grades. 

    Reicht das Einkommen der pflegebedürftigen Person nicht aus, um die Eigenanteile zur Pflege zu decken, und sind alle Vermögenswerte aufgebraucht, werden Angehörige 1. Grades unterhaltspflichtig. In der Regel genehmigt das Sozialamt hier Hilfe zur Pflege, überprüft aber, inwiefern die Kosten durch Angehörigen-Unterhalt gedeckt werden können. 

    Neben Ehepartnern/Ehepartnerinnen sind auch Kinder den Pflegebedürftigen Unterhalt schuldig. Die Pflicht zum sogenannten Elternunterhalt ergibt sich aus §1601 BGB. Allerdings hat der Gesetzgeber mit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz die Hürden für den Unterhalt neu definiert. 

    Seitdem gilt, dass nur die Personen Unterhalt zahlen müssen, die mehr als 100.000 Euro Bruttoeinkommen pro Jahr haben. Ausgenommen sind hierbei Ehepartner/Ehepartnerinnen von Pflegebedürftigen. Hier stellt der Gesetzgeber auf die besonderen Verpflichtungen der Ehe ab und nimmt Partnerinnen und Partner entsprechend vollständig in die Pflicht.

    Wie sich der Elternunterhalt berechnet

    Zur Ermittlung der Unterhaltspflicht wird das sogenannte bereinigte Nettoeinkommen herangezogen. Das bedeutet, vom Jahreseinkommen werden verschiedene Positionen abgezogen. Dazu gehört auch der Selbstbehalt gemäß Düsseldorfer Tabelle. Dieser beträgt 2.000 Euro für Alleinstehende. Verheiratete erhalten einen Selbstbehalt von 3.600 Euro.

    Nach Bereinigung des Einkommens gilt, dass etwa die Hälfte des verbleibenden Betrages als Unterhalt anfällt. Die Rechnung sieht also folgendermaßen aus:

     Einkommen
    Miete/Tilgungsraten
    Alters- & Krankenvorsorge
    Unterhalt für eigene Kinder
    Fahrt-/Werbungskosten
    Selbstbehalt
      
    =Bereinigtes Nettoeinkommen
     x 0,5
    =Unterhaltssumme

    Hat eine Familie mehrere Geschwisterkinder, wird die jeweilige Unterhaltspflicht entsprechend den jeweiligen Einkommensverhältnissen berechnet, sodass sich von Kind zu Kind unterschiedliche Summen ergeben. Zahlungspflichtig sind allerdings nur diejenigen Angehörigen, deren Jahresbruttoeinkommen mehr als 100.000 Euro beträgt.

    Machen Sie es sich und Ihren Liebsten leicht! Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Familie darüber, welche Form der Pflege Sie sich wünschen und wie mit der Finanzierung umgegangen werden soll. Wenn Ihre Wünsche und eine gemeinsame Herangehensweise von vorneherein klar sind, führt die Pflegefinanzierung seltener zu Streit.

    Herz, Tipps für Senioren

    Achtung, Schenkungsrückforderung!

    Manch einer kommt auf die Idee, die Unterhaltspflichten zu umgehen oder die eigene Immobilie zu retten, indem er Haus und Geld vor der Pflegebedürftigkeit an die Kinder verschenkt. Doch kommt es dann zur finanziellen Hilfsbedürftigkeit, hat das Sozialamt innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung das Recht, diese zurückzufordern. Diese Schenkungsrückforderung kann das Sozialamt auch gegen den Willen der pflegebedürftigen Person geltend machen.

    FAQ Pflegefinanzierung

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      Fachautorin für Alter und Pflege

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