Höhere Zusatzbeiträge der Krankenkassen

Ein Griff in den Geldbeutel der Rentner

Die Folgen der Pandemie machen sich nicht nur im Alltag bemerkbar, sondern auch im Geldbeutel vieler Versicherter. Zum 1. Januar 2021 haben 31 Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag erhöht. Dieser Zusatzbeitrag fällt zusätzlich zum Versicherungssatz von 14,6 Prozent an und ist auch von Rentnerinnen und Rentnern zu zahlen. Durch die jüngste Erhöhung fällt für Versicherte nun ein Zusatzbeitrag zwischen 0,35 bis 1,9 Prozent an. Je nach Versicherung führt dies zu einem Krankenversicherungssatz von bis zu 16,5 Prozent.

Autorin: C. Dehnert

Auch Krankenversicherung der Rentner hebt Zusatzbeitrag an

Kassenbeiträge werden teuer

Die Anhebung des Zusatzbetrages trifft alle Versicherte gleichermaßen, unabhängig davon, ob sie pflichtversichert, freiwillig oder privat versichert sind. Auch Rentnerinnen und Rentner bemerken die Erhöhung beim Blick auf den Rentenbescheid: In der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) stieg der Zusatzbeitrag zum 01.01.2021 von 1,1 auf 1,3 Prozent. Während die meisten Versicherten den Anstieg des Zusatzbeitrages direkt bemerkten, wurde der Anstieg für Seniorinnen und Senioren erst jetzt im Frühjahr wirksam.

Beitragsanpassungen für Rentnerinnen und Rentner werden in der Regel erst mit dreimonatiger Verzögerung wirksam, da der Prozess in Abstimmung mit der Deutschen Rentenversicherung mehr Zeit benötigt als die Anpassung bei Arbeitnehmern und Selbstständigen. So erhielten alle Versicherten – auch die bereits berenteten – den Hinweis über den Beitragsanstieg fristgerecht im Dezember 2020, aber die Auswirkungen auf dem Rentenbescheid wurden frühestens im April sichtbar.

Hintergrund der gestiegenen Zusatzbeiträge ist die Corona-Pandemie. Allein im Jahr 2020 erwirtschafteten die deutschen Krankenkassen ein Minus von knapp 3 Milliarden Euro. Für das Jahr 2021 wird eine noch größere Differenz erwartet, da für Corona-Tests und Schutzmaßnahmen große Summen aus dem Gesundheitsfonds nötig waren.

Höherer Zusatzbeitrag führt zu höheren Versicherungszuschüssen

Besonders hart trifft die Erhöhung des Zusatzbeitrages diejenigen Rentnerinnen und Rentner, die freiwillig gesetzlich oder sogar privat versichert sind, denn sie müssen den Krankenkassenbeitrag komplett aus eigener Tasche finanzieren. 

Pflichtversicherte Seniorinnen und Senioren, die über die KVdR versichert sind, zahlen den Kassenbeitrag nur zur Hälfte, die andere Hälfte übernimmt die Deutsche Rentenversicherung. Seit dem Jahr 2019 gilt auch für den Zusatzbeitrag, dass Versicherte nur noch die Hälfte des Beitrags zahlen müssen. Das bedeutet, pflichtversicherte Seniorinnen und Senioren in der KVdR zahlen bei dem Anstieg von 0,2 Prozent nur 0,1 Prozent mehr als vorher.

Wer freiwillig oder privat versichert ist, kann sich den Krankenkassenbeitrag auf Antrag bezuschussen lassen. Auf Antrag übernimmt die Rentenversicherung bei freiwillig gesetzlich Versicherten ebenfalls die Hälfte des anfallenden Krankenkassenbeitrages. Bei privatversicherten Rentnerinnen und Rentnern ist der Zuschuss genauso hoch wie bei freiwillig Versicherten, wird aber bei maximal 50% der Versicherungsprämie gedeckelt.

In jedem Fall ist freiwillig und privat Versicherten dazu geraten, den Zuschuss zu den Krankenkassenbeiträgen direkt mit der Altersrente zusammen zu beantragen. Andernfalls wird der Zuschuss erst ab Antragstellung gezahlt und nicht rückwirkend.

Vereinfachter Krankenkassenwechsel möglich

Für alle Versicherten ergibt sich aus der Erhöhung des Zusatzbeitrages ein Sonderkündigungsrecht. Mit diesem kann die Krankenversicherung bis zum Ende des Monats gekündigt werden kann, in welchem der Zusatzbeitrag erhöht wird. Durch die Erhöhung zum 01.01.2021 ergab sich also zum 31.01.2021 die Chance, die Krankenkasse kurzfristig zu wechseln. Wer diese Chance verpasst hatte, muss sich allerdings nicht grämen.

Pünktlich zu Beginn des Jahres 2021 wurde der Wechsel der Krankenkasse für Versicherte denkbar vereinfacht. Bis Ende 2020 mussten Versicherte erst kündigen und konnten sich erst mit der Kündigungsbestätigung neu versichern lassen. Seit dem 01.01.2021 können, können Versicherte nun einfach bei der neuen Wunschkrankenkasse einen Aufnahmeantrag stellen. Der neue Versicherer wickelt dann die Kündigung bei der alten Krankenkasse ab – für Versicherte ist der Wechsel nun also wesentlich weniger bürokratisch.

Die Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende gilt weiterhin. Auch müssen Versicherte bis zum offiziellen Ende des Versicherungsvertrages den erhöhten Zusatzbeitrag weiterhin zahlen. Allerdings macht das vereinfachte Wechselverfahren einen Versicherungswechsel gerade für Seniorinnen und Senioren unkomplizierter. Bei vielen Krankenkassen lässt sich der Aufnahmeantrag zudem mittlerweile online stellen.

Durch die große Spanne an Zusatzbeiträgen kann ein Wechsel der Krankenversicherung spürbar Geld sparen. Allerdings sollten gerade Rentnerinnen und Rentner, die aufgrund ihres Alters häufiger behandlungsbedürftig sind, immer auch die Leistungen der Krankenkassen vergleichen. In manchen Fällen kann sich ein höherer Zusatzbeitrag lohnen, wenn entsprechend viele Leistungen vom Versicherer übernommen werden, die andere Versicherungsunternehmen nicht anbieten.

Zum Hintergrund: Die Krankenversicherung für Rentner (KVdR)

Bei der Krankenversicherung für Rentner handelt es sich nicht um ein eigenes Versicherungsunternehmen, sondern um einen Versicherungsstatus, den Rentnerinnen und Rentner mit Beginn des Rentenbezugs innehaben. Die Krankenkasse bleibt weiterhin frei wählbar. Voraussetzung für diesen Versicherungsstatus ist, dass Versicherte während der zweiten Hälfte ihres Berufslebens mindestens zu 90 Prozent der Zeit gesetzlich versichert waren. Für jedes Kind, das während der Versicherungszeit erzogen wurde, können drei Jahre Vorversicherungszeit angerechnet werden.

Die Pflichtversicherung in der KVdR hat für Rentnerinnen und Rentner den Vorteil, dass Krankenversicherungsbeiträge nur auf die Bruttorente, Betriebsrenten und Arbeitseinkommen anfallen, nicht aber auf andere Einkünfte. Außerdem müssen sie die Beiträge nur zur Hälfte tragen, die andere Hälfte wird automatisch von der Deutschen Rentenversicherung übernommen.

Privat und freiwillig Versicherte hingegen müssen auf alle Einkünfte, egal welcher Art, Krankenversicherungsbeiträge entrichten. Außerdem erhalten sie den hälftigen Zuschuss nur auf Antrag und zahlen so mitunter deutlich mehr als Pflichtversicherte.

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Coronapandemie: Noch mehr Arbeit für pflegende Angehörige

Rückgang bei unterstützenden Leistungen der Pflegekasse

Im letzten Jahr hatte Jeder und Jede eigene, pandemiebedingte Baustellen, von denen man kaum mehr weiß, wie man sie bewerkstelligt hat und nach wie vor bewerkstelligt. Vor allem ein Großteil Angehöriger pflegebedürftiger Menschen, geht auch heute noch auf dem Zahnfleisch. 

Autorin: A. Dahmen

Die Kassen verzeichnen einen Rückgang bei den Leistungen der Tages- und Nachtpflege

Diebstahl an den Beitragszahlern

Wenn man sich anschaut, dass im Jahr 2020 die Kassen der Pflegeversicherung 21,1 Prozent weniger Leistungen für Tages- und Nachtpflege verzeichneten und die Kurzzeitpflege im Vergleich zum Vorjahr um 12,3 Prozent zurückgegangen ist, wird klar, wer die Arbeit erledigt hat: Die Angehörigen. Jene, die sich neben Arbeit und Kindern auch noch aufopferungsvoll um ihre Eltern und Großeltern kümmern.

Das Bundesgesundheitsministerium betitelt oben genanntes als einen „wohl im Wesentlichen pandemiebedingten Rückgang“

Was für die deutschen Kassen erfreulich klingt, bedeutete für die Angehörigen einen enormen Mehraufwand. Hilfeleistungen, die von den Kranken- und Pflegekassen eigentlich bezahlt werden und die der Entlastung der pflegenden Verwandtschaft dienen sollen, wurden 2020 augenscheinlich weniger in Anspruch genommen. Doch wieso? Nicht etwa, weil die Angehörigen keine Hilfeleistungen benötigen würden, sondern schlicht und einfach deswegen, weil zahlreiche Angebote und Einrichtungen zu Beginn der Pandemie über Wochen hinweg geschlossen waren. Das Bundesgesundheitsministerium betitelt oben genanntes als einen „wohl im Wesentlichen pandemiebedingten Rückgang“.

Doch mit der permanenten Doppelbelastung der Angehörigen soll nun Schluss sein. Für diesen Mittwoch hat der Bundestag eine öffentliche Anhörung zur Pflege durch Angehörige angesetzt. Kordula-Schulz-Asche von den Grünen fordert angesichts der Thematik einen dringenden Ausbau der pflegerischen Infrastruktur, um „private Sorgearbeit der pflegenden Angehörigen“ zu unterstützen. 

Anspruch auf Tagespflege ab 1.Juli 2022 soll um die Hälfte gekürzt werden

Was gut klingt, scheint aber unter Umständen zu scheitern. Denn das Bundesgesundheitsministerium rund um Jens Spahn scheint andere Pläne zu haben: Laut einem Papier, soll der Anspruch auf Tagespflege ab 1.Juli 2022 um sage und schreibe die Hälfte gekürzt werden, wenn zeitgleich Pflegesachleistungen beansprucht werden. Manche Anbieter würden aktuell das betreute Wohnen und die Tagespflege miteinander kombinieren. Ein Fehlanreiz, der beseitigt werden müsse. 

Beschränkungspläne bei Verhinderungspflege stoßen auf breite Ablehnung

Doch auch bei der Verhinderungspflege sind Beschränkungen in Planung. Diese Pflege kommt zustande, wenn pflegende Angehörige durch einen Urlaub, oder andere Termine nicht in der Lage sind, sich um ihren Angehörigen zu kümmern und eine Ersatzbetreuung notwendig wird. Bisher bekommen pflegebedürftige Personen dafür 1612 Euro jährlich. Nach Vorstellungen des Ministeriums sollen künftig jedoch nur noch 40 Prozent stundenweise in Anspruch genommen werden können. 

Pläne, die für Entrüstung in verschiedenen Verbänden gesorgt haben. Klaus Müller, der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, hält die Kürzungen für einen „Skandal“. Die meisten pflegenden Angehörigen seien sowohl auf die Tages- als auch auf die Verhinderungspflege angewiesen, weil sie auch noch einem Beruf nachgehen. 

Die Aufgabe des Bundesgesundheitsministerium sei es, für die Hilfen zu sorgen, die zu pflegende Menschen und ihre Angehörigen benötigen – und nicht etwa, sie einfach zu kürzen.

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„armut-schwarz-und-weiß-emotion-hdr-4561704“ © Frantisek_Krejci @ pixabay

Pflegereform 2021: Pflegegeld- und Sachleistungen-Erhöhung um 5 %

Pflegereform 2021: Pflegegeld- und Sachleistungen-Erhöhung um 5 %

Zum 1. Juli 2021 sollen Pflegegeld und Sachleistungen im Zuge der neuen Pflegereform um 5 % erhöht werden. Damit werden Pflegebedürftige, aber auch Angehörige, begünstigt, die sich für eine Pflege zu Hause entscheiden. Auch die Pflegehilfsmittelpauschale soll von 40 auf 60 Euro angehoben werden. Für das Jahr 2023 sind dann kontinuierliche, an die Inflationsrate gebundene Anpassungen geplant.

Im Zuge der Pflegereform 2021 ist eine Erhöhung der Leistungen für die häusliche Pflege geplant.

Pflegereform 2021: Mehr Geld für häusliche Pflege

Das Pflegegeld wird ab Pflegegrad 2 gezahlt – aber nur dann in vollem Umfang, wenn man keine Leistungen eines zertifizierten Pflegedienstes in Anspruch nimmt. Die Kosten für eine professionelle Pflege-(Unterstützung) werden über die Pflegesachleistungen direkt mit der Pflegekasse abgerechnet. Mit der Pflegereform 2021 sollen sowohl Pflegegeld als auch Pflegesachleistungen ab dem 1.7.2021 um 5 % erhöht werden. 

Erhöhung am Beispiel Pflegegrad 2

AltNeu
Pflegesach­leistungen689 Euro723 Euro
Pflegegeld316 Euro332 Euro

Zusammengefasste Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Und es sind noch mehr Änderungen geplant: Die einzelnen Budgets für Kurzzeit– und Verhinderungspflege als Entlastung pflegender Angehöriger werden künftig unter dem “Entlastungsbudget” von 3.300 Euro jährlich zusammengefasst.

Kostendeckel für stationäre Pflege

Auch bei der stationären Pflege wird nachgebessert. Hier soll der Eigenanteil auf monatlich 700 Euro für maximal drei Jahre begrenzt werden. Momentan liegt dieser laut Verband der Ersatzkassen (VDEK) bei durchschnittlich 786 Euro. Die separat aufgelisteten Kosten für Verpflegung und Unterbringung im Pflegeheim sind von der Deckelung jedoch ausgenommen. Der effektive Eigenanteil an den Pflegeheim-Kosten dürfte damit auch nach der neuen Pflegereform noch bei durchschnittlich 2.000 Euro pro Monat liegen.

Neben den bereits genannten Veränderung wurde außerdem ein Ausbau der Förderung beim Pflege-Bahr skizziert. Statt wie bisher mit 5 Euro will sich der Staat künftig mit 15 Euro an einer geförderten privaten Pflegeversicherung beteiligen. 

Bundeszuschuss in Höhe von 1,8 Milliarden Euro

Finanziert werden soll die Pflegereform auch durch einen pauschalen Bundeszuschuss in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Dieser wurde vom GKV-Spitzenverband schon lange gefordert, aber erst aufgrund der Corona-Pandemie beschlossen. Die Ländern sollen ferner jeden Monat 100 Euro pro vollstationär versorgtem Pflegebedürftigen zahlen.

Anstieg des Pflegebeitrags auf 3,4 % möglich

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant außerdem, den Pflegebeitrag für Kinderlose um 0,1 % auf dann 3,4 % zu erhöhen. Die Einnahmen sollen auch in den schon 2015 aufgelegten Pflegevorsorgefonds fließen. Die Zielsetzung ist, den Beitragssatz ab dem Jahr 2035 stabil zu halten – pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem die geburtenstarken Jahrgänge (Baby-Boomer) zwischen 1946 und 1964 in ein Alter kommen, in dem mit einer Pflegebedürftigkeit gerechnet werden muss. 

Sebastian Starnberger

Sebastian Starnberger

Fachautor im Bereich Pflegerecht

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Fragen zu den Leistungen der Pflegekasse?

Das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums ist die offizielle Auskunftsstelle bei Fragen zu Angeboten / Leistungen der Pflegeversicherungen und Krankenkassen in Deutschland.

Fragen zur Pflegeversicherung: 

030 / 340 60 66 – 02

Fragen zur Krankenversicherung: 

030 / 340 60 66 – 01

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