Härtefallfonds für DDR-Zusatzrenten gefordert

DDR-Zusatzrenten: 500.000 Ostrentner warten auf ihr Geld

Etwas über 30 Jahre ist die deutsch-deutsche Wiedervereinigung mittlerweile her – und viele Rentner und Rentnerinnen aus der ehemaligen DDR warten nach wie vor auf ihr Geld. Ursprünglich sollte das Rentenüberleitungsgesetz dafür sorgen, dass DDR-Zusatzrenten zur Berechnungsgrundlage der gesetzlichen Rentenversicherung hinzugezogen werden. Allerdings wurde bis heute kein Modus gefunden, der diese Überleitung auch sicherstellt. Die aktuelle Große Koalition hatte 2018 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, einen Fonds einzurichten, aus dem betroffene Personengruppen zusätzliche Zahlungen erhalten. Doch einen geltenden Beschluss bleibt die Regierung nach wie vor schuldig.

Autorin: Celsy Dehnert

Verhandlungsvorschlag des Sozialministeriums will Härtefallfonds an Grundsicherung koppeln

DDR-Rentner profitieren aus dem Härtefallfonds

Im Koalitionsvertrag wurde 2018 festgelegt, dass die Regierung zu einer Klärung der Frage kommen wolle, auf welchem Wege betroffene Ostrentner und Ostrentnerinnen die durch Zusatzrenten in der DDR erworbenen Rentenansprüche geltend machen können. Den Anspruch darauf hatte das Bundesverfassungsgericht 1999 festgelegt, als die zuständigen Richter urteilen, dass die DDR-Sonder- und Zusatzrenten vom Grundgesetz geschützt seien und entsprechend auch nach der Wiedervereinigung ausgezahlt werden müssten.

Der Vorschlag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), der aktuell wieder im Raum steht, sieht allerdings nicht vor, diesen Anspruch vollständig umzusetzen. Vielmehr will das BMAS einen Härtefallfonds einrichten lassen, aus welchem Geld an diejenigen Ostrentner ausgeschüttet wird, welche durch eine geringe Rentenhöhe einen Anspruch auf Grundsicherung erhalten würden. Dementsprechend würden die Zusatzrenten nur an bedürftige Rentner und Rentnerinnen ausgezahlt werden. Dieser Fonds würde demnach den Titel „Gerechtigkeitsfonds“ tragen.

Runder Tisch DDR-Zusatzrenten lehnt Härtefallfonds-Regelung in vorgeschlagener Form ab

Dieser Vorschlag stößt an entscheidenden Stellen auf Widerstand. Im Jahr 2019 fand sich ein Runder Tisch zusammen, der aus betroffenen Ostrentnern und Rentnerinnen sowie Politikern und Interessenverbänden besteht. Dort war ursprünglich der Kompromissvorschlag ausgehandelt worden, dass die betroffenen Rentner und Rentnerinnen in den Jahren 2020 und 2021 einmalig Summen zwischen 15.000 Euro und 20.000 Euro ausgezahlt bekommen würden.

Dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales nun solch einen Rückzieher macht und plant, den Gerechtigkeitsfonds nur für Bedürftige zugänglich zu machen, sorgt für Unverständnis. Vor allem, weil der Runde Tisch argumentiert, dass in solch einem Fall nur rund 2% der 500.000 Ostrentner Zugang zu den Zusatzrenten bekommen würde. Für Betroffene ist das besonders bitter, da sie nicht nur finanzielle Kompensation, sondern auch die Anerkennung ihrer Lebensleistung fordern.

Gerechtigkeitsfonds zahlt an Ostrentner, jüdische Kontingentflüchtlinge und Spätaussiedler aus

Vor allem die Gruppe der in der DDR geschiedenen Frauen würde einen herben Verlust hinnehmen müssen, wenn der Härtefallfonds an den Bezug von Grundrente gekoppelt werden müsste. Immerhin sind sie mit 300.000 Frauen die größte Gruppe derjenigen, die auf die Auszahlung ihrer Ostrenten warten.

Die Pläne des BMAS sehen mit dem Gerechtigkeitsfonds vor, dass eine Stiftung eingerichtet werden würde, die ab 2023 Geld an diejenigen Rentner und Rentnerinnen auszahlen würde, die von Armut bedroht sind und Grundsicherung erhalten. Das betrifft allerdings im vorliegenden Vorschlag nicht nur Ostrentner, sondern auch ca. 70.000 jüdische Kontingentflüchtlinge sowie eine nicht näher zu beziffernde Anzahl an Spätaussiedlern.

Aus einer Stellungnahme des Zentralrats der Juden geht hervor, dass die aktuell verhandelte Summe, die an Berechtigte ausgezahlt werden würde, bei etwa 2.556,46 Euro liegt. Allerdings gibt es für diese Zahl aktuell keinerlei Stellungnahme vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Aber auch die Kriterien, unter denen die Stiftung das Geld auszahlen sollte, sind wohl schon definiert.

So sollen nur diejenigen Geld erhalten, die Grundsicherung erhalten würden, am 1. Januar 1992 mindestens 40 Jahre alt waren und die Mindestbeschäftigungszeit für ihre jeweilige Berufsgruppe erreicht haben. Im Falle von Geschiedenen muss außerdem die Ehe mindestens 10 Jahre lang bestanden haben und es muss mindestens ein gemeinsames Kind großgezogen worden sein.

DDR-Zusatzrenten werden im Ausschuss für Soziales beraten

Für betroffene Rentnerinnen und Rentner lohnt es sich, zeitnah per E-Mail oder telefonisch zu ihren Bundestagsabgeordneten aufzunehmen. Gegebenenfalls lässt sich durch die Wortmeldungen aus der Bevölkerung eine Entscheidung in der Sache vorantreiben, denn aktuell befasst sich ein Antrag der Partei Die.Linke mit der Frage der DDR-Zusatzrenten.

Am 16 April 2021 wurde der Antrag zur Beratung in den Ausschuss für Soziales des Bundestages überwiesen. Dort fand am 3. Mai 2021 eine Experten-Anhörung zum Thema statt. Aktuell befinden sich die Fraktionen in Beratung, die Entscheidung steht noch aus.

Eine andere Entscheidung fiel hingegen schon im September 2020. Demnach entlastet der Bund die östlichen Bundesländer bei den Kosten für die DDR-Zusatzrenten. Mit einer Summe von 340 Millionen Euro jährlich übernimmt der Bund nun 50% statt 40% der Kosten, welche die östlichen Bundesländer aufgrund der DDR-Zusatzrenten aktuell haben.

Zum Hintergrund: 17 Personen- und Berufsgruppen warten auf DDR-Zusatzrenten


Dass die Rentenansprüche aus den DDR-Zusatzrenten nach der Wiedervereinigung erhalten bleiben sollten, war bereits im Einigungsvertrag zur Wiedervereinigung vereinbart worden. Aktuell warten 17 Personen- und Berufsgruppen, darunter in der DDR-geschiedene Frauen, aber auch Krankenschwestern, Reichsbahner, Selbstständige oder Postboten, darauf, dass in dieser Sache eine finale Klärung herbeigeführt wird.

Bis 1995 wurden die Renten ausgezahlt, dann wurden die Zahlungen eingestellt. Das Bundessozialgericht hatte seinerzeit geurteilt, dass die Frage der Zusatzrenten nicht gesetzlich, sondern politisch beantwortet werden müsse. Für Betroffene ist der schon 30 Jahre andauernde Prozess ein Wettlauf gegen die Zeit: Diverse Rentnerinnen und Rentner sind bereits verstorben, ohne auch nur einen Cent aus ihren Ansprüchen erhalten zu haben.

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PEPP: EU-weite Pension beschlossen

EU-weite Pension kommt – mit PEPP für das Alter vorsorgen

Der Rente im EU-Ausland steht nichts mehr im Wege: Das Europäische Parlament und der Europäische Rat haben für Ende März 2022 die Einführung einer EU-weiten Altersvorsorge angekündigt. Das Pan-European Personal Pension Product, kurz PEPP, soll die Freizügigkeit innerhalb der EU auch im Alter ermöglichen. Bislang waren private Altersvorsorgen in vielen Fällen nicht übertragbar, wenn Rentner oder Rentnerinnen ihren Lebensabend im Ausland verbringen wollten. Wir erklären, wie das in Zukunft funktioniert.

Autorin: Celsy Dehnert

PEPP ermöglicht Mitnahme der privaten Altersvorsorge

Bereits im Jahr 2019 erließen das EU-Parlament sowie der Europäische Rat die PEPP-Verordnung, die einheitliche Regularien für die neue Altersvorsorge in allen EU-Mitgliedsstaaten enthält. Nun haben die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) sowie die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) die abschließenden Rahmenbedingungen ausgearbeitet. Ab Ende März 2022 soll es Bürgerinnen und Bürgern aller EU-Mitgliedsstaaten möglich sein, ihre Altersvorsorge in jeden Mitgliedsstaat zu überführen und weiterführen zu können, ohne Verluste hinnehmen zu müssen.

Bislang war die Übertragung der privaten Altersvorsorge, wenn Senioren und Seniorinnen auswandern wollten, teilweise sehr problematisch. Mit PEPP wollen die Mitgliedsstaaten nun eine EU-weite Ergänzung der gesetzlichen Altersvorsorge schaffen. Doch nicht nur das: Mit der EU-Pension bleibt nicht nur die Freizügigkeit erhalten, sondern es wird auch der Binnenmarkt für Altersvorsorge-Produkte unterstützt. Darüber hinaus wird es sich mit PEPP um das erste Altersvorsorgeprodukt dieser Art handeln, das nicht nur EU-weit, sondern auch unabhängig vom aktuellen Alter und Berufsstatus abgeschlossen werden kann.

EU-Pension kommt mit niedrigen Kosten und sechs Risikovarianten

Grundvoraussetzung für eine Einigung aller Mitgliedsstaaten sind die niedrigen Kosten, die für PEPP-Produkte anfallen. Beim PEPP-Basis-Produkt werden Gebühren und Verwaltungskosten auf 1% des eingezahlten Betrags gedeckelt. Aber auch darüber hinaus waren BaFin und EIOPA um Attraktivität für Sparer und Sparerinnen bemüht: PEPP kommt in sechs verschiedenen Varianten, die alle unterschiedliche Risikoprofile besitzen.

Beim Basis-Produkt etwa wird Rentnern und Rentnerinnen eine garantierte Leistung bei Renteneintritt versprochen, unabhängig von der Anlageform. Aufgrund der implementierten Risikotechnik ist es aber beispielsweise auch möglich, 10 Jahre vor Rentenbeginn das im PEPP-Produkt angelegte Kapital in risikoärmere Anlagen umzuschichten. So sollen Senioren und Seniorinnen später das Meiste aus ihrem Lebensabend herausholen können.

Wechsel des PEPP-Produkts alle fünf Jahre möglich

Als Ergänzung zu gesetzlichen Altersvorsorgen sollen Inhaber von PEPP-Produkten speziell für die Rente ansparen können, weshalb vorzeitige Kündigungen der Ausnahmefall sein sollen. Allerdings bekommen Anleger und Anlegerinnen die Möglichkeit, spätestens alle fünf Jahre einen Wechsel des PEPP-Anbieters vorzunehmen. Alternativ kann man auch die Anlagekonditionen beim bestehenden Anbieter neu wählen. Die Kosten für solch einen Wechsel sollen bei 0,5% des angesparten Kapitals gedeckelt werden.

Voraussetzung für die Nutzung von PEPP sind regelmäßige Einzahlungen sowie eine verpflichtende Beratung vor Abschluss des Vertrages. Wer schon jetzt für die Rente angespart hat, sollte sich frühzeitig informieren, ob eine Umschichtung des Kapitals in ein PEPP-Produkt ohne weiteres möglich ist, falls der Lebensabend am Mittelmeerstrand zumindest im Rahmen der Möglichkeiten scheint.

Sparer und Sparerinnen müssen das Geld in PEPP nicht zwingend für sich selbst anlegen – Einzahler und Begünstigter müssen nicht dieselbe Person sein. Bei Renteneintritt kann der Leistungsempfänger bzw. die Leistungsempfängerin zwischen drei Auszahlungsmodalitäten wählen: Entweder eine einmalige Auszahlung des Kapitals oder regelmäßige Rentenzahlungen oder eine gestaffelte Entnahme des angesparten Betrags. Ebenso steht die Kombination mehrerer Auszahlungsvarianten offen.

Im Falle eines Umzugs innerhalb der EU wird für das PEPP-Produkt ein Unterkonto angelegt, das den vor Ort herrschenden Regularien und Ansprüchen genügt. So können Sparer und Sparerinnen ihr Kapital zukünftig problemlos überall hin überführen.

Anbieter der EU-Pension müssen bei EIOPA registriert sein

In den einzelnen Mitgliedsstaaten sind die jeweiligen Finanzaufsichten zuständig für die Überwachung und Einhaltung der Regularien für PEPP-Produkte. Dennoch müssen sich Anbieter im Zentralregister der EIOPA eintragen lassen. Nur eingetragene Anbieter sollen PEPP anbieten dürfen.

Wer die EU-Pension nutzen möchte, wird die Verträge im Laufe des Jahres 2022 also unter anderem bei Kreditinstituten, Versicherungsunternehmen, Investmentgesellschaften und Wertpapierfirmen mit Sitz in der EU abschließen können.

Damit Verbraucher und Verbraucherinnen eine informierte Entscheidung treffen können, sieht die PEPP-Verordnung einheitliche Informationsbroschüren vor. Diese sollen die wichtigsten Eckdaten, wie die Risikoprofile, aber auch Informationen zur Nachhaltigkeit der Geldanlage enthalten. So sollen die verschiedenen Produkte untereinander vergleichbar werden.


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Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr im Alter

Das Thema Flüssigkeitszufuhr wird im Alter wichtiger denn je

Wir bestehen zu 50 bis 60 % aus Wasser – das heißt, mehr als die Hälfte unseres Körpers besteht aus Wasser. Unsere Wasserreserven füllen wir hauptsächlich über Getränke, aber auch feste Nahrung enthält lebenswichtiges Wasser, das unser Körper in vielfältiger Weise speichert. Wasser ist an so gut wie allen elementaren Prozessen im Körper beteiligt. Um diese reibungslos ausführen zu können, benötigen wir daher eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Im Alter wird dies noch wichtiger.

Autorin: Xenia Atanasovski, Redakteurin Ressort Gesundheit

Das Wasser übernimmt elementare Funktionen und ist für Seniorinnen und Senioren besonders wichtig

Ohne Wasser funktioniert unser Körper nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass Wasser Bestandteil sämtlicher Körperflüssigkeiten sowie aller Zellen ist. Unser Körper verwendet Wasser als Transport- und Lösungsmittel für Nährstoffe, die beispielsweise über das Blut zu den Organen gelangen. Es schützt den Menschen vor Überhitzung und ist für die Quellung des Speisebreies im Darm notwendig. Je älter der Mensch wird, desto wichtiger ist die Zufuhr von Wasser. Warum? Zellen brauchen Wasser zur Regeneration – und diese ist bei älteren Menschen verlangsamt.

Warum die Flüssigkeitszufuhr vor allem im Alter so wichtig ist

Bei einem jungen Menschen entsteht das Durstgefühl immer dann, wenn sein Körper mehr als 0,5 % seines Gewichts in Form von Wasser verloren hat. Wiegt ein Mensch also beispielsweise 60 kg, verliert er demnach etwa 0,3 kg, sprich 300 ml, Wasser, bevor er den Drang verspürt, etwas trinken zu müssen. Im Alter nimmt das Durstempfinden jedoch ab; es kommt schneller zu einem Flüssigkeitsverlust.

Richtwerte für die Flüssigkeitszufuhr im Alter

Um zu vermeiden, dass es im Alter zu einer geringeren Flüssigkeitszufuhr kommt, ist es gut, sich an den Richtwert für eine ausreichende Trinkmenge zu halten. Dieser ist für junge und ältere Personen gleich, und beträgt mindestens 1,3 Liter – optimal sind 1,5 Liter Flüssigkeit täglich. Liegt die Trinkmenge darunter, kann es zu Symptomen wie etwa Verwirrtheit, Schwäche oder Schwindel kommen. Auch die Symptome einer Demenz können sich durch Wassermangel verstärken.

Folgende Umstände können für eine dringende Flüssigkeitszufuhr sprechen:

  • Fieber, Durchfall oder Erbrechen
  • Unruhe
  • starke Mobilität
  • Hitze oder trockene Heizungsluft
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Verstopfung
  • Verwirrtheit
  • Neigung zu Harnwegsinfekten
  • Fieber
  • trockene Haut und Schleimhäute wie z.B. rissige Lippen

Den Konsequenzen eines Flüssigkeitsmangels im Alter vorzubeugen ist ganz einfach. Stellen Sie ein Glas Wasser bereit und nippen Sie tagsüber immer wieder daran. Füllen Sie das Glas wieder an sobald es leer ist. Trinken Sie zu jeder Mahlzeit ausreichend Flüssigkeit.

Referenzen:

https://www.in-form.de/fileadmin/Dokumente/Materialien/Trinken_FitimAlter.pdf

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.) : Die Nährstoffe –Bausteine für Ihre Gesundheit, Bonn 2011


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Pflegebedürftige erhalten Zuschuss zum Eigenanteil

Pflegereform 2021 – Senkung des Eigenanteils geplant

Rund 800.000 Heimbewohnerinnen und Heimbewohner in Deutschland können aufatmen: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) plant eine gestaffelte Entlastung von Pflegebedürftigen mit den Pflegegraden 2 bis 5. Wer längerfristig vollstationäre Pflegeleistungen erhält, darf auf einen Zuschuss von bis zu 75% zum pflegebedingten Eigenanteil hoffen. Anders als geplant kommt diese Reform allerdings nicht mit dem Pflegereformgesetz. Stattdessen soll die Entlastung als Teil des Gesetzesentwurfs „zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ (GVWG) am 11. Juni 2021 verabschiedet werden.

Autorin: Celsy Dehnert

Wer länger vollstationär gepflegt wird, bekommt höhere Zuschüsse

Deckelung des Pflegeanteils für stationäre Pflege

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein Ministerium planen dem Änderungsantrag zum GVWG nach, Pflegebedürftige beim pflegebedingten Eigenanteil zu entlasten. Das Ganze soll über Zuschüsse aus der Pflegeversicherung geschehen. Es würde sich bei den zu beschließenden Förderungen also um neue Leistungen aus der Pflegekasse handeln. Die Höhe des Zuschusses hängt dabei von der Dauer der vollstationären Pflege ab.

Begünstigt werden Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 2 bis 5, die sich länger als 12 Monate in vollstationärer Pflege befinden. Bei einer Pflegedauer von mehr als 12 Monaten soll der Zuschuss 25 Prozent betragen. Ab 24 Monaten Aufenthalt im Pflegeheim wird der Zuschuss auf 50 Prozent aufgestockt. Denjenigen, die länger als 36 Monate vollstationäre Pflegeleistungen beziehen, soll der Eigenanteil mit bis zu 75 Prozent bezuschusst werden.

Eigenanteile stark gestiegen – Mehrkosten von 2,6 Milliarden Euro

Mit dieser Förderung durch die Pflegeversicherung soll den zuletzt jährlich gestiegenen Eigenanteilen in der stationären Pflege entgegengewirkt werden. Im bundesdeutschen Durschnitt beträgt der Eigenanteil, den Pflegebedürftige für den Platz im Pflegeheim bezahlen, circa 2.068 Euro. Davon entfallen durchschnittlich 831 Euro auf die pflegebedingten Kosten.

Die geplanten Zuschüsse würden für Pflegebedürftige eine Entlastung von durchschnittlich bis zu 600 Euro bedeuten. Finanzieren will das Bundesgesundheitsministerium den Mehraufwand von circa 2,6 Milliarden Euro jährlich über eine Erhöhung des Beitragssatzes für die Pflegeversicherung. So sollen Kinderlose zukünftig 0,1 Beitragssatzpunkte mehr zahlen, um die gestiegenen Pflegekosten abzufangen.

Pflegereformgesetz nicht mehr zu realisieren – Caritas übt Kritik

Ursprünglich war die Entlastung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen als Teil des Pflegereformgesetzes geplant. Doch nach derzeitigem Stand lässt sich das Gesetzespaket vor Ende der Legislaturperiode im September 2021 nicht mehr umsetzen. Deshalb hat sich das Bundesgesundheitsministerium dazu entschieden, die Entlastung über das GVWG anzuschieben.

Neben dem pflegebedingten Eigenanteil müssen Pflegebedürftige in vollstationärer Pflege Eigenanteile für die Verpflegung sowie zu den Investitionskosten leisten. Gerade diese Kosten können je nach Standort des gewählten Pflegeheims stark variieren.

Je älter die Bausubstanz, desto höher fallen vor allem die Investitionskosten aus. Gerade in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder dem Saarland sind diese Eigenanteile sehr hoch, weshalb die Eigenanteile für Pflegebedürftige kaum aus der durchschnittlichen Rente finanzierbar sind.

Pflegebedürftige, die ihre Angehörigen nicht belasten wollen und sichergehen wollen, dass sie die Eigenanteile aus ihrem eigenen Vermögen zahlen können, tun also gut daran, sich auch an anderen Orten nach Pflegeheimen umzuschauen. Gerade zu Zeiten, in denen die Kinder berufsbedingt im gesamten Bundesgebiet verstreut sind, kann es sich lohnen, sich in weniger teuren Ecken Deutschlands nach einem Heimplatz umzusehen.

An den hohen Eigenanteilen und an der Staffelung der Zuschüsse übt unter anderem die Caritas Kritik. Laut Erhebungen aus dem Jahr 2017 betrug die durchschnittliche Verweildauer in Pflegeheimen 18 Monate. Eine Staffelung würde für viele Pflegebedürftige bedeuten, die höheren Zuschüsse gar nicht in Anspruch nehmen zu können. Deshalb verlangen die Caritas und weitere Verbände eine vollständige Übernahme der Eigenanteile.

Verpflichtung zur Tariftreue für Pflegeheime geplant

Die ursprünglich von Minister Spahn vorgesehenen Änderungen sahen auch eine Beteiligung der Bundesländer vor, die für jeden Heimbewohner und jede Heimbewohnerin einen Zuschuss von 100 Euro zu den Investitionskosten leisten sollten. Außerdem haben sowohl das Bundesgesundheitsministerium als auch das Bundesarbeitsministerium, auf Initiative von Arbeitsminister Hubertus Heil, Entwürfe vorgelegt, nach denen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung an Tariftreue gekoppelt werden sollen. Demnach sollen nur diejenigen Pflegeheime Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten, die ihre Pflegekräfte nach in der Pflege anerkannten Tariflöhnen bezahlen.

Um aus den höheren Löhnen keine Belastung für die Pflegebedürftigen abzuleiten, soll der Bund zukünftig die Rentenversicherungsbeiträge für Angehörige übernehmen, die einen Pflegebedürftigen zuhause pflegen. Damit würde die Pflegeversicherung finanziell entlastet werden, die diese Beiträge bislang trägt.

Die Änderungen sollen durch den Beschluss des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung am 11. Juni 2021 vom Bundestag verabschiedet werden, nachdem der Tagesordnungspunkt im Gesundheitsausschuss am 21. Mai 2021 abgesetzt wurde.


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Vitamin D und Atemwegserkrankungen

Hilft Vitamin D wirklich dabei, Atemwegserkrankungen vorzubeugen?

Vitamin D ist zweifelsfrei wichtig für unseren Körper. Das Sonnenvitamin unterstützt die Gesundheit und kann – laut aktueller Meinung – sogar vor Atemwegserkrankungen schützen. Aber stimmt das auch?

Autorin: Xenia Atanasovski, Redakteurin Ressort Gesundheit

Die Sonne sorgt dafür, dass unser Körper Vitamin D produziert

Durch in Sonnenlicht enthaltene UV-Strahlen bildet unser Organismus Vitamin D.

Zu den wohl elementarsten Quellen von Vitamin D gehört das UV-haltige Sonnenlicht. Bei ausreichender Zufuhr produziert unser Körper die organische Verbindung selbst, und sorgt damit für einen ausgewogenen Vitamin D-Spiegel im Blut. Vor allem in den Wintermonaten leiden viele Menschen unter einem sehr niedrigen Spiegel. Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind häufige Begleiterscheinungen, die Betroffene beschreiben.

Vitamin D verlinkt mit dem Schutz vor Infektionen der Atemwege?

Vitamin D stärkt das Immunsystem. So viel ist sicher. Inwiefern kann ein Vitamin D-Mangel aber tatsächlich mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden werden? Und besteht, wie manch Publikation zum Thema behauptet, bei Mangel an diesem Vitamin wirklich eine Abwehrschwäche gegenüber Atemwegserkrankungen?

Tatsächlich wurde ein Zusammenhang beobachtet

In einer Meta-Studie der pharmakologischen Fakultät des indischen Government Medical College & Hospitals wurde geprüft, ob eine Vitamin-D-Zufuhr dabei helfen kann, Infektionen der Atemwege vorzubeugen. Dabei wurden Ergebnisse von rund 11.000 Kindern und Erwachsenen in 14 Ländern wie den USA, Japan, Indien, Australien, Kanada, Italien, Belgien oder Afghanistan miteinander verglichen. Die Supplementierung stellte sich dabei als guter Schutz vor Atemwegsinfektionen heraus. Das Ergebnis rechtfertigt daher die künstliche Zufuhr von Vitamin D. (1)

Vor der Supplementation den eigenen Vitamin D – Status messen lassen

Um den eigenn Spiegel im Blut zu erfahren, ist der Gang zum Hausarzt unerlässlich. Der Arzt bestimmt anhand eines Blutbildes den Vitamin D – Wert. Dies gilt als individuelle Gesundheitsleistung. Sobald der Wert unter 25-30 nmol/l liegt, ist von einer mangelhaften Vitamin D – Versorgung die Rede, denn der optimale Bereich liegt bei mindestens 50 nmol/l (3).

Eine unterstützende Vitamin D – Zufuhr trägt – so viel ist unbestritten – dazu bei, eine positive Wirkung im Körper zu erzielen. Aber Vorsicht ist geboten, wenn es darum geht, ohne eine ärztliche Diagnose und auf eigene Faust Vitamin D in Form von Präparaten einzunehmen. Hohe Dosierungen können zu folgenden Nebenwirkungen führen:

  • Übelkeit und Erbrechen.
  • Appetitlosigkeit.
  • extremer Durst (Polydipsie)
  • vermehrtes Wasserlassen (Polyurie)
  • Schwächegefühl.
  • Kopfschmerzen.
  • Nervosität.
  • Nierensteine und Nierenschäden bis hin zu Nierenversagen. (2)

Vitamin D kann dabei helfen, Infektionen der Atemwege vorzubeugen

Vitamin D ist ein elementarer Indikator, um das Immunsystem zu stärken, und vor allem Infektionen der Atemwege vorzubeugen. Ein unkontrollierter Überschuss hingegen führt zu unangenehmen Symptomen, die vermieden werden sollten. Die Zufuhr des Vitamins sollte jedoch unbedingt von einem Hausarzt begleitet werden. 

Dieser Beitrag wurde ausführlich recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen journalistisch aufbereitet. Er dient ausschließlich der Information, und ersetzt nicht die persönliche Beratung durch eine Medizinerin oder einen Mediziner. Für die Richtigkeit der Informationen kann keinerlei Gewähr übernommen werden.


Referenzen:

  1. A.R. Martineau et al. (2017): Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. In: British Medical Journal, Vol. 356, i6583. Online unter http://www.bmj.com/content/356/bmj.i6583
  2. https://www.netdoktor.de/ernaehrung/vitamin-d/ueberdosierung/
  3. https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/vitamin-d-und-covid-19/

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Verbot von Altersdiskriminierung

Ein neues Staatsziel in Thüringer Landesverfassung?

Eigentlich sollte der Lebensabend frei von Problemen sein. Das Thema Diskriminierung im Alter scheint aber durchaus ein sehr tiefgreifendes und konfliktgeladenes zu sein. Keinesfalls schlagen nur Seniorenverbände Alarm und fordern seit langem, die Thüringer Landesverfassung dahingehend zu ändern, dass es ein Verbot von Altersdiskriminierung geben muss.

Autorin: M. Schneider

Alterskriminalität ist in Alten- und Pflegeheimen häufig ein Tabu-Thema, dennoch gibt es sie gerade dort!

Benachteiligung von Senioren

Während im beruflichen Alltag älterer Menschen deutlich häufiger davon die Rede ist, dass Personen ohne ersichtlichen Grund aufgrund ihres Alters benachteiligt werden, hört man das im Zusammenhang mit der Altersgruppe 65+ kaum. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass Seniorinnen und Senioren davon unbetroffen sind. Ganz im Gegenteil! Doch negative Bilder von älteren und mitunter pflegebedürftigen Menschen durchdringen das Bewusstsein der Gesellschaft selten, weswegen die Diskriminierung im Alter auch selten zur Sprache kommt.

In Thüringen aber will man nicht mehr wegschauen! Nach Aussage des Geschäftsführers des Landesseniorenrates Jan Steinhaußen gibt es inmitten unserer modernen Gesellschaft zunehmend diskriminierendes Verhalten gegenüber älteren Menschen. Dadurch werden Menschenrechte in dieser Altersgruppe immer häufiger verletzt.

Jeder Fünfte ist Opfer von Altersdiskriminierung

Auf Bundesebene ist das Verbot der Altersdiskriminierung bereits im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verankert. Nun soll auch die Thüringer Landesverfassung angepasst werden, denn offensichtlich reicht es nicht mehr aus, Empathie und Wertvorstellungen vorauszusetzen, damit alle älteren Menschen ihren Lebensabend unter menschenwürdigen Umständen verbringen können.

Bedenkt man, dass in Deutschland etwa jeder Fünfte aufgrund seines Lebensalters bereits Erfahrungen mit Altersdiskriminierung machen musste, ist diese Ungleichbehandlung keineswegs ein Normalzustand. Verinnerlicht man sich zudem so manche Alltagszustände in deutschen Alten- und Pflegeheimen, wird die Intension der CDU in Thüringen sowie die des Thüringer Seniorenverbandes BRH und des Landesseniorenrates im thüringischen Bundesland verständlich:

Benachteiligung von Demenzkranken sollte ebenso wenig zur Normalität werden wie die unzureichende medizinische Betreuung älterer Menschen in Pflegeheimen, die nicht mehr ohne fremde Hilfe zum Spezialisten können.

Für einen menschenwürdigen Lebensabend genügt es eben nicht, dass Seniorinnen und Senioren in einem schicken Apartment untergebracht werden und Anspruch auf Vollverpflegung haben. Ältere Versicherte müssen ebenso einen ungehinderten Zugang zu entsprechenden Heilbehandlungen haben. An Demenz erkrankte Menschen brauchen zudem keineswegs nur die medikamentöse Ruhigstellung, sondern eine respektvolle Betreuung. 

Änderung der Verfassung des Freistaates Thüringen

Aufgrund der eingereichten Entwürfe zur Verfassungsänderung in Thüringen wurde nun in Artikel 2, Abs. 3 unter anderem auch das Verbot der Benachteiligung aufgrund des Alters festgeschrieben. Absatz 4 wurde dahingehend ergänzt und geändert, dass nun auch Land und Gebietskörperschaften „die Selbstbestimmung, umfassende Einbeziehung und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen“ fördern und gewährleisten sollen.

Ein Erfolg? Ja, ganz sicher. Bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Problematik der Altersdiskriminierung unter anderem in Alten- und Pflegeheimen dadurch entschärfen lässt. An dieser Stelle wird es auch in Zukunft noch viele ambitionierte Menschen brauchen, die einmal mehr hinschauen, damit es den Alten in unserer Mitte im letzten Lebenszyklus gut geht und ihnen in allen Belangen gleiches Recht zuteil wird.

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Höhere Zusatzbeiträge der Krankenkassen

Ein Griff in den Geldbeutel der Rentner

Die Folgen der Pandemie machen sich nicht nur im Alltag bemerkbar, sondern auch im Geldbeutel vieler Versicherter. Zum 1. Januar 2021 haben 31 Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag erhöht. Dieser Zusatzbeitrag fällt zusätzlich zum Versicherungssatz von 14,6 Prozent an und ist auch von Rentnerinnen und Rentnern zu zahlen. Durch die jüngste Erhöhung fällt für Versicherte nun ein Zusatzbeitrag zwischen 0,35 bis 1,9 Prozent an. Je nach Versicherung führt dies zu einem Krankenversicherungssatz von bis zu 16,5 Prozent.

Autorin: C. Dehnert

Auch Krankenversicherung der Rentner hebt Zusatzbeitrag an

Kassenbeiträge werden teuer

Die Anhebung des Zusatzbetrages trifft alle Versicherte gleichermaßen, unabhängig davon, ob sie pflichtversichert, freiwillig oder privat versichert sind. Auch Rentnerinnen und Rentner bemerken die Erhöhung beim Blick auf den Rentenbescheid: In der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) stieg der Zusatzbeitrag zum 01.01.2021 von 1,1 auf 1,3 Prozent. Während die meisten Versicherten den Anstieg des Zusatzbeitrages direkt bemerkten, wurde der Anstieg für Seniorinnen und Senioren erst jetzt im Frühjahr wirksam.

Beitragsanpassungen für Rentnerinnen und Rentner werden in der Regel erst mit dreimonatiger Verzögerung wirksam, da der Prozess in Abstimmung mit der Deutschen Rentenversicherung mehr Zeit benötigt als die Anpassung bei Arbeitnehmern und Selbstständigen. So erhielten alle Versicherten – auch die bereits berenteten – den Hinweis über den Beitragsanstieg fristgerecht im Dezember 2020, aber die Auswirkungen auf dem Rentenbescheid wurden frühestens im April sichtbar.

Hintergrund der gestiegenen Zusatzbeiträge ist die Corona-Pandemie. Allein im Jahr 2020 erwirtschafteten die deutschen Krankenkassen ein Minus von knapp 3 Milliarden Euro. Für das Jahr 2021 wird eine noch größere Differenz erwartet, da für Corona-Tests und Schutzmaßnahmen große Summen aus dem Gesundheitsfonds nötig waren.

Höherer Zusatzbeitrag führt zu höheren Versicherungszuschüssen

Besonders hart trifft die Erhöhung des Zusatzbeitrages diejenigen Rentnerinnen und Rentner, die freiwillig gesetzlich oder sogar privat versichert sind, denn sie müssen den Krankenkassenbeitrag komplett aus eigener Tasche finanzieren. 

Pflichtversicherte Seniorinnen und Senioren, die über die KVdR versichert sind, zahlen den Kassenbeitrag nur zur Hälfte, die andere Hälfte übernimmt die Deutsche Rentenversicherung. Seit dem Jahr 2019 gilt auch für den Zusatzbeitrag, dass Versicherte nur noch die Hälfte des Beitrags zahlen müssen. Das bedeutet, pflichtversicherte Seniorinnen und Senioren in der KVdR zahlen bei dem Anstieg von 0,2 Prozent nur 0,1 Prozent mehr als vorher.

Wer freiwillig oder privat versichert ist, kann sich den Krankenkassenbeitrag auf Antrag bezuschussen lassen. Auf Antrag übernimmt die Rentenversicherung bei freiwillig gesetzlich Versicherten ebenfalls die Hälfte des anfallenden Krankenkassenbeitrages. Bei privatversicherten Rentnerinnen und Rentnern ist der Zuschuss genauso hoch wie bei freiwillig Versicherten, wird aber bei maximal 50% der Versicherungsprämie gedeckelt.

In jedem Fall ist freiwillig und privat Versicherten dazu geraten, den Zuschuss zu den Krankenkassenbeiträgen direkt mit der Altersrente zusammen zu beantragen. Andernfalls wird der Zuschuss erst ab Antragstellung gezahlt und nicht rückwirkend.

Vereinfachter Krankenkassenwechsel möglich

Für alle Versicherten ergibt sich aus der Erhöhung des Zusatzbeitrages ein Sonderkündigungsrecht. Mit diesem kann die Krankenversicherung bis zum Ende des Monats gekündigt werden kann, in welchem der Zusatzbeitrag erhöht wird. Durch die Erhöhung zum 01.01.2021 ergab sich also zum 31.01.2021 die Chance, die Krankenkasse kurzfristig zu wechseln. Wer diese Chance verpasst hatte, muss sich allerdings nicht grämen.

Pünktlich zu Beginn des Jahres 2021 wurde der Wechsel der Krankenkasse für Versicherte denkbar vereinfacht. Bis Ende 2020 mussten Versicherte erst kündigen und konnten sich erst mit der Kündigungsbestätigung neu versichern lassen. Seit dem 01.01.2021 können, können Versicherte nun einfach bei der neuen Wunschkrankenkasse einen Aufnahmeantrag stellen. Der neue Versicherer wickelt dann die Kündigung bei der alten Krankenkasse ab – für Versicherte ist der Wechsel nun also wesentlich weniger bürokratisch.

Die Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende gilt weiterhin. Auch müssen Versicherte bis zum offiziellen Ende des Versicherungsvertrages den erhöhten Zusatzbeitrag weiterhin zahlen. Allerdings macht das vereinfachte Wechselverfahren einen Versicherungswechsel gerade für Seniorinnen und Senioren unkomplizierter. Bei vielen Krankenkassen lässt sich der Aufnahmeantrag zudem mittlerweile online stellen.

Durch die große Spanne an Zusatzbeiträgen kann ein Wechsel der Krankenversicherung spürbar Geld sparen. Allerdings sollten gerade Rentnerinnen und Rentner, die aufgrund ihres Alters häufiger behandlungsbedürftig sind, immer auch die Leistungen der Krankenkassen vergleichen. In manchen Fällen kann sich ein höherer Zusatzbeitrag lohnen, wenn entsprechend viele Leistungen vom Versicherer übernommen werden, die andere Versicherungsunternehmen nicht anbieten.

Zum Hintergrund: Die Krankenversicherung für Rentner (KVdR)

Bei der Krankenversicherung für Rentner handelt es sich nicht um ein eigenes Versicherungsunternehmen, sondern um einen Versicherungsstatus, den Rentnerinnen und Rentner mit Beginn des Rentenbezugs innehaben. Die Krankenkasse bleibt weiterhin frei wählbar. Voraussetzung für diesen Versicherungsstatus ist, dass Versicherte während der zweiten Hälfte ihres Berufslebens mindestens zu 90 Prozent der Zeit gesetzlich versichert waren. Für jedes Kind, das während der Versicherungszeit erzogen wurde, können drei Jahre Vorversicherungszeit angerechnet werden.

Die Pflichtversicherung in der KVdR hat für Rentnerinnen und Rentner den Vorteil, dass Krankenversicherungsbeiträge nur auf die Bruttorente, Betriebsrenten und Arbeitseinkommen anfallen, nicht aber auf andere Einkünfte. Außerdem müssen sie die Beiträge nur zur Hälfte tragen, die andere Hälfte wird automatisch von der Deutschen Rentenversicherung übernommen.

Privat und freiwillig Versicherte hingegen müssen auf alle Einkünfte, egal welcher Art, Krankenversicherungsbeiträge entrichten. Außerdem erhalten sie den hälftigen Zuschuss nur auf Antrag und zahlen so mitunter deutlich mehr als Pflichtversicherte.

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Coronapandemie: Noch mehr Arbeit für pflegende Angehörige

Rückgang bei unterstützenden Leistungen der Pflegekasse

Im letzten Jahr hatte Jeder und Jede eigene, pandemiebedingte Baustellen, von denen man kaum mehr weiß, wie man sie bewerkstelligt hat und nach wie vor bewerkstelligt. Vor allem ein Großteil Angehöriger pflegebedürftiger Menschen, geht auch heute noch auf dem Zahnfleisch. 

Autorin: A. Dahmen

Die Kassen verzeichnen einen Rückgang bei den Leistungen der Tages- und Nachtpflege

Diebstahl an den Beitragszahlern

Wenn man sich anschaut, dass im Jahr 2020 die Kassen der Pflegeversicherung 21,1 Prozent weniger Leistungen für Tages- und Nachtpflege verzeichneten und die Kurzzeitpflege im Vergleich zum Vorjahr um 12,3 Prozent zurückgegangen ist, wird klar, wer die Arbeit erledigt hat: Die Angehörigen. Jene, die sich neben Arbeit und Kindern auch noch aufopferungsvoll um ihre Eltern und Großeltern kümmern.

Das Bundesgesundheitsministerium betitelt oben genanntes als einen „wohl im Wesentlichen pandemiebedingten Rückgang“

Was für die deutschen Kassen erfreulich klingt, bedeutete für die Angehörigen einen enormen Mehraufwand. Hilfeleistungen, die von den Kranken- und Pflegekassen eigentlich bezahlt werden und die der Entlastung der pflegenden Verwandtschaft dienen sollen, wurden 2020 augenscheinlich weniger in Anspruch genommen. Doch wieso? Nicht etwa, weil die Angehörigen keine Hilfeleistungen benötigen würden, sondern schlicht und einfach deswegen, weil zahlreiche Angebote und Einrichtungen zu Beginn der Pandemie über Wochen hinweg geschlossen waren. Das Bundesgesundheitsministerium betitelt oben genanntes als einen „wohl im Wesentlichen pandemiebedingten Rückgang“.

Doch mit der permanenten Doppelbelastung der Angehörigen soll nun Schluss sein. Für diesen Mittwoch hat der Bundestag eine öffentliche Anhörung zur Pflege durch Angehörige angesetzt. Kordula-Schulz-Asche von den Grünen fordert angesichts der Thematik einen dringenden Ausbau der pflegerischen Infrastruktur, um „private Sorgearbeit der pflegenden Angehörigen“ zu unterstützen. 

Anspruch auf Tagespflege ab 1.Juli 2022 soll um die Hälfte gekürzt werden

Was gut klingt, scheint aber unter Umständen zu scheitern. Denn das Bundesgesundheitsministerium rund um Jens Spahn scheint andere Pläne zu haben: Laut einem Papier, soll der Anspruch auf Tagespflege ab 1.Juli 2022 um sage und schreibe die Hälfte gekürzt werden, wenn zeitgleich Pflegesachleistungen beansprucht werden. Manche Anbieter würden aktuell das betreute Wohnen und die Tagespflege miteinander kombinieren. Ein Fehlanreiz, der beseitigt werden müsse. 

Beschränkungspläne bei Verhinderungspflege stoßen auf breite Ablehnung

Doch auch bei der Verhinderungspflege sind Beschränkungen in Planung. Diese Pflege kommt zustande, wenn pflegende Angehörige durch einen Urlaub, oder andere Termine nicht in der Lage sind, sich um ihren Angehörigen zu kümmern und eine Ersatzbetreuung notwendig wird. Bisher bekommen pflegebedürftige Personen dafür 1612 Euro jährlich. Nach Vorstellungen des Ministeriums sollen künftig jedoch nur noch 40 Prozent stundenweise in Anspruch genommen werden können. 

Pläne, die für Entrüstung in verschiedenen Verbänden gesorgt haben. Klaus Müller, der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, hält die Kürzungen für einen „Skandal“. Die meisten pflegenden Angehörigen seien sowohl auf die Tages- als auch auf die Verhinderungspflege angewiesen, weil sie auch noch einem Beruf nachgehen. 

Die Aufgabe des Bundesgesundheitsministerium sei es, für die Hilfen zu sorgen, die zu pflegende Menschen und ihre Angehörigen benötigen – und nicht etwa, sie einfach zu kürzen.

Bildquelle:

„armut-schwarz-und-weiß-emotion-hdr-4561704“ © Frantisek_Krejci @ pixabay

Pflegereform 2021: Pflegegeld- und Sachleistungen-Erhöhung um 5 %

Pflegereform 2021: Pflegegeld- und Sachleistungen-Erhöhung um 5 %

Zum 1. Juli 2021 sollen Pflegegeld und Sachleistungen im Zuge der neuen Pflegereform um 5 % erhöht werden. Damit werden Pflegebedürftige, aber auch Angehörige, begünstigt, die sich für eine Pflege zu Hause entscheiden. Auch die Pflegehilfsmittelpauschale soll von 40 auf 60 Euro angehoben werden. Für das Jahr 2023 sind dann kontinuierliche, an die Inflationsrate gebundene Anpassungen geplant.

Im Zuge der Pflegereform 2021 ist eine Erhöhung der Leistungen für die häusliche Pflege geplant.

Pflegereform 2021: Mehr Geld für häusliche Pflege

Das Pflegegeld wird ab Pflegegrad 2 gezahlt – aber nur dann in vollem Umfang, wenn man keine Leistungen eines zertifizierten Pflegedienstes in Anspruch nimmt. Die Kosten für eine professionelle Pflege-(Unterstützung) werden über die Pflegesachleistungen direkt mit der Pflegekasse abgerechnet. Mit der Pflegereform 2021 sollen sowohl Pflegegeld als auch Pflegesachleistungen ab dem 1.7.2021 um 5 % erhöht werden. 

Erhöhung am Beispiel Pflegegrad 2

AltNeu
Pflegesach­leistungen689 Euro723 Euro
Pflegegeld316 Euro332 Euro

Zusammengefasste Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Und es sind noch mehr Änderungen geplant: Die einzelnen Budgets für Kurzzeit– und Verhinderungspflege als Entlastung pflegender Angehöriger werden künftig unter dem “Entlastungsbudget” von 3.300 Euro jährlich zusammengefasst.

Kostendeckel für stationäre Pflege

Auch bei der stationären Pflege wird nachgebessert. Hier soll der Eigenanteil auf monatlich 700 Euro für maximal drei Jahre begrenzt werden. Momentan liegt dieser laut Verband der Ersatzkassen (VDEK) bei durchschnittlich 786 Euro. Die separat aufgelisteten Kosten für Verpflegung und Unterbringung im Pflegeheim sind von der Deckelung jedoch ausgenommen. Der effektive Eigenanteil an den Pflegeheim-Kosten dürfte damit auch nach der neuen Pflegereform noch bei durchschnittlich 2.000 Euro pro Monat liegen.

Neben den bereits genannten Veränderung wurde außerdem ein Ausbau der Förderung beim Pflege-Bahr skizziert. Statt wie bisher mit 5 Euro will sich der Staat künftig mit 15 Euro an einer geförderten privaten Pflegeversicherung beteiligen. 

Bundeszuschuss in Höhe von 1,8 Milliarden Euro

Finanziert werden soll die Pflegereform auch durch einen pauschalen Bundeszuschuss in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Dieser wurde vom GKV-Spitzenverband schon lange gefordert, aber erst aufgrund der Corona-Pandemie beschlossen. Die Ländern sollen ferner jeden Monat 100 Euro pro vollstationär versorgtem Pflegebedürftigen zahlen.

Anstieg des Pflegebeitrags auf 3,4 % möglich

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant außerdem, den Pflegebeitrag für Kinderlose um 0,1 % auf dann 3,4 % zu erhöhen. Die Einnahmen sollen auch in den schon 2015 aufgelegten Pflegevorsorgefonds fließen. Die Zielsetzung ist, den Beitragssatz ab dem Jahr 2035 stabil zu halten – pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem die geburtenstarken Jahrgänge (Baby-Boomer) zwischen 1946 und 1964 in ein Alter kommen, in dem mit einer Pflegebedürftigkeit gerechnet werden muss. 

Sebastian Starnberger

Sebastian Starnberger

Fachautor im Bereich Pflegerecht

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Fragen zu den Leistungen der Pflegekasse?

Das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums ist die offizielle Auskunftsstelle bei Fragen zu Angeboten / Leistungen der Pflegeversicherungen und Krankenkassen in Deutschland.

Fragen zur Pflegeversicherung: 

030 / 340 60 66 – 02

Fragen zur Krankenversicherung: 

030 / 340 60 66 – 01

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